Podcast Sone & Solche

Grenzen des Glaubens. Wie die spanische Monarchie Menschen nach Religion und Ethnizität unterschied, um Einwanderung in ihre amerikanischen Kolonien zu kontrollieren

2. April 2026
Friederike Brinker

Die spanische Monarchie hatte in der frühen Neuzeit strenge Regeln für die Einreise in ihre amerikanischen Kolonien. Um die koloniale Herrschaft und den Missionserfolg bei Indigenen nicht zu gefährden, durften nur in Spanien geborene Menschen einwandern, die seit Generationen katholisch waren. Damit waren nicht nur Landesfremde und Angehörige anderer Religionen, sondern auch zum Katholizismus konvertierte Untertan:innen des spanischen Königs sowie deren Nachfahr:innen von der Migration nach Amerika offiziell ausgeschlossen.

Dennoch gelang vielen (ehemals) jüdischen, protestantische und muslimischen Menschen die Überfahrt. 

Eine weitere Gruppe, die von den kolonialen Obrigkeiten als potenzielle Bedrohung für die gesellschaftliche Ordnung und die religiöse Reinheit des Gemeinwesens gesehen wurde, war nicht freiwillig eingewandert: Auch versklavte Menschen aus dem subsaharischen Afrika wurden von den Obrigkeiten mit Misstrauen beäugt und unter Zwang getauft.

Thomas Weller untersucht, welche Rolle ethnische und religiöse Zuschreibungen für diese Menschen spielten, wie sie mit obrigkeitlichen Kategorisierungen umgingen und diese auch flexibel für sich nutzen konnten.

Da religiöse und ethnische Zuschreibungen sich in diesem Kontext überlagerten, sprechen wir auch über Ethnizität: Was ist das eigentlich, wie entstehen Ethnien, und warum verwenden wir diesen Begriff häufig vor allem für außereuropäische Gesellschaften?

PD Dr. Thomas Weller ist Historiker am Leibniz-Institut für Europäische Geschichte und auf die Frühe Neuzeit sowie die Geschichte Spaniens und Lateinamerikas spezialisiert. In unserem Sonderforschungsbereich leitet er das Projekt „Religion und Ethnizität. Transatlantische Mobilität und Humandifferenzierung im kolonialen Hispanoamerika“.

Kapitelmarken:

00:00:00-Intro

00:00:55-Projektvorstellung

00:02:40-Warum wurde Minderheiten verboten, auszuwandern?

00:04:30-Was ist eine Ethnie?

00:10:15-Jüdisches Leben und Konversion

00:14:40-Warum auswandern nach Südamerika?

00:19:40-Zwangskonversation und Identitätswechsel

00:23:30-Konflikte, Inquisition und Beweise

00:28:15-Wen interessiert die Inquisition?

00:29:30-Religionswechsel versklavter Menschen

00:34:30-Ethnizität in welchem Kontext?

00:36:20-transatlantische Archivarbeit

00:40:30-Outro

Zum Weiterlesen:

Thomas Weller empfiehlt zum Thema Race und Ethnizität in Lateinamerika folgendes Buch (open access): Wade, Peter. Race and Ethnicity in Latin America. 2nd ed.,2010, Pluto Press 

Er erwähnt auch den Artikel „The Inquisitor as Anthropologist“ von Carlo Ginzburg, dieser erschien in folgendem Band: Ginzburg, Carlo: Clues, Myth and the historical method, 1989, John Hopkins University Press. 

Auch in deutscher Übersetzung: Ginzburg, Carlo: Der Inquisitor als Anthropologe. In: Rebekka Habermas/Nils Minkmar (Hg.): Das Schwein des Häuptlings. Sechs Aufsätze zur historischen Anthropologie. Berlin: Wagenbach 1992, S. 42–55.

Nico Nassenstein, der in dieser Episode leider krankheitsbedingt ausfallen musste, empfiehlt folgenden Artikel als Einführung zum Thema Ethnizität: Lynch, Gabrielle. "Ethnicity in Africa." Oxford Research Encyclopedia of African History.  April 26, 2018. Oxford University Press. 

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Host: Friederike Brinker (Sonderforschungsbereich 1482 Humandifferenzierung)

Producer: Christian Albrecht (Zentrum für audiovisuelle Produktion)

Wissenschaftliche Hilfskraft: Tamara Vitzthum (Sonderforschungsbereich 1482 Humandifferenzierung)

 Der SFB 1482 Humandifferenzierung ist an der Johannes Gutenberg-Universität und dem Institut für Europäische Geschichte in Mainz angesiedelt.

Der SFB 1482 wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördert.

Für Feedback, Fragen und Vorschläge schreibt mir gern eine Mail: sfb1482.kommunikation@uni-mainz.de

Foto (Podcastcover): Angelika Stehle