Verdächtige Subjekte: Vigilanz und Differenzierung im US-mexikanischen Grenzraum
Eveline Dürr
Dieser Vortrag präsentiert die Ergebnisse eines Teilprojekts des SFB 1369 „Vigilanzkulturen: Transformationen, Räume, Techniken“ an der LMU München und reflektiert Vigilanz als eine normativ gerahmte Form der Wachsamkeit, die durch spezifische Wertordnungen motiviert ist und daraus abgeleitete Praktiken der Sicherung und Verteidigung dieser Werte hervorbringt. Im US‑mexikanischen Grenzraum, der von migrationspolitisch aufgeladenen, häufig exkludierenden Diskursen geprägt ist, richtet sich diese Wachsamkeit insbesondere auf rassifizierte Personen sowie deren (vermeintliche) Herkunft, Zugehörigkeit und Legitimität des Aufenthalts. Auf der Grundlage ethnographischer Feldforschung in San Diego, Kalifornien, analysiert der Vortrag, wie diese Personen als potenzielle Bedrohung markiert und als „verdächtige Subjekte“ klassifiziert werden. Infolgedessen werden diese Personen selbst wachsam und integrieren entsprechende Praktiken in ihren Alltag. Darüber hinaus thematisiert der Vortrag die Materialisierung dieser Prozesse und zeigt, wie sich Vigilanzregime in urbane Infrastrukturen, räumliche Arrangements und visuelle Ordnungen einschreiben und dadurch zur politischen Subjektivierung im Grenzraum beitragen.
Eveline Dürr ist Professorin für Ethnologie und Forschungsdekanin an der LMU München. Ihre Schwerpunkte umfassen Mensch-Umweltbeziehungen, Migration und soziale Mobilität sowie Identitätspolitik und Touristifizierung. Ihre regionalen Expertisen liegen in den Amerikas sowie in Ozeanien. Sie leitet ein Teilprojekt im SFB 1369 „Vigilanzkulturen“ und fungierte bis 2025 als dessen stellv. Sprecherin. Derzeit leitet sie ein Reinhart Koselleck-Projekt zum Thema: „Planetares Heilen. Transformation, Dekolonisierung und Klimawandel”. Neuere Publikationen in Ko-Autorenschaft inkludieren: "Watchful Lives in the U.S.-Mexico Borderland" (De Gruyter, 2023), „Becoming Vigilant Subjects“ (Wehrhahn, 2023) und "Vigilance and the Pursuit of Better Lives: Dilemmas and Politics of Upward Mobility.” (Special Issue, Cultural Dynamics, 2025).