Call for Papers
Publikumsdifferenzierung im Wandel. Adressierung, Vergemeinschaftung und Segregation von Zuschauenden
Das Theater gilt als Ort der Versammlung. Als kulturelle Institution, in der sich Menschen physisch zusammenfinden, stellt es einen paradigmatischen Fall einer (Teil-)Öffentlichkeit dar. In den letzten Jahren lassen sich jedoch Veränderungen beobachten, die die Art und Weise betreffen, wie Theaterpublika adressiert, differenziert und strukturiert werden: Öffentlichkeitsarbeit, dramaturgische Konzepte und institutionelle Praktiken reagieren zunehmend auf gesellschaftliche Debatten über Diversität, Inklusion, Barrierefreiheit und diskriminierungssensible Kommunikation.
Das Symposium widmet sich diesen Entwicklungen und fragt nach gegenwärtigen Weisen der Differenzierung von Theaterpublika. Im Zentrum steht dabei die Untersuchung materieller, diskursiver und organisatorischer Praktiken, durch die Publika im Theater adressiert, segmentiert oder vergemeinschaftet werden. Dazu zählen etwa identitätsbezogene Formen der Publikumsansprache in der Öffentlichkeitsarbeit, solidarische Preissysteme, Maßnahmen zur Förderung von Barrierefreiheit wie „relaxed performances“ oder Audiodeskription, bishin zu infrastrukturellen Veränderungen wie die Einrichtung von Rückzugsorten und verschiedenen Sitzmöglichkeiten sowie neue Konventionen der Veranstaltungsankündigung durch Content Notes und Trigger-Warnungen. Die Tagung fragt daher nach Formen eines Doing Differences im Kontext zeitgenössischer Theateröffentlichkeiten. Uns interessieren Beiträge, die sich mit folgenden Fragen auseinandersetzen:
- Welche unterschiedlichen sozialen, kulturellen und identitätspolitischen Kategorien werden mobilisiert, um bestimmte Gruppen anzusprechen, einzubeziehen oder auch voneinander abzugrenzen?
- Welche Unterscheidungen (z. B. entlang von Behinderung, Geschlecht, Herkunft, sozialer Klasse, Alter oder politischer Identität) werden in der Ansprache und Organisation von Publikum sowie infrastrukturellen Umsetzungen relevant gemacht? • Wie verhalten sich Dynamiken von Inklusion und Exklusion in den Praktiken der Publikumsdifferenzierung?
- Inwiefern lassen sich Praktiken der Differenzierung im Theater auch als gesellschaftliche Experimentierfelder für den Umgang mit Versammlungen und Öffentlichkeiten außerhalb des Theaters verstehen? Wir laden Beiträge aus der Theaterwissenschaft und den Performance Studies sowie aus den Sozial-, Medien- und Kulturwissenschaften ein. Sowohl empirische und historische Fallstudien als auch theoretische Perspektiven sind willkommen.
Bei Interesse senden Sie uns für einen Vortrag von 25 Minuten einen Titel und einen Abstract von 1500 Zeichen (inkl. Leerz.) sowie eine kurze biografische Notiz von ca. 500 Zeichen (inkl. Leerz.) bis zum 01. Juni 2026 an: publikumsdifferenzierung@uni-mainz.de
Das Symposium findet vom 07. bis 09. April 2027 an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz statt. Die Tagungssprache ist deutsch.