F02: Verflochtene Humandifferenzierung
Verflochtene Humandifferenzierung. Europäisch-afrikanische Konstruktionen der Humankategorie „Pygmäe“
Das Teilprojekt adressiert Humandifferenzierung zwischen Europa und Afrika. Es untersucht die Konstruktion der Humankategorie „Pygmäe“ durch europäische Differenzierungsunternehmer.innen aus der Anthropologie, Genetik, Ethnologie oder Linguistik ab Ende des 19 Jhd., sowie deren Verflechtung mit afrikanischen Kategorisierungspraxen, die der Distinktion von „reinen“ Menschen (Baoto) gegenüber einer als „unrein“ geltenden Humankategorie (Batwa) dienen. Während der europäische Zuschnitt der Kategorie durch die biologistische Differenzierungsdimension Rasse geprägt wurde, stützt sich der afrikanische Zuschnitt auf ein Amalgam aus kosmologischen und sozialen Vorstellungen. Übergeordnetes Ziel ist es, Prozesse der (De)Institutionalisierung der verflochtenen Humankategorie „Pygmäe-Twa“ in Wissenschaft, Politik und sozialer wie versprachlichter Alltagspraxis zu erforschen.
Leitfragen
Mit Blick auf die Wissenschaftsgeschichte rekonstruieren wir die Erfindung der umstrittenen Humankategorie „Pygmäe“ und fragen nach den zentralen Erkenntnismotiven des interdisziplinäres Forschungsfelds, das sich rund um diese Humankategorie konstituiert hat. Außerdem untersuchen wir Politiken staatlicher und nicht-staatlicher Akteure, um historische und rezente Prozesse der (De)Institutionalisierung der Humankategorie verstehen zu können. Schließlich interessieren wir uns für die soziale und versprachlichte Alltagspraxis und fragen danach, wie sich die früher durch Segregation und Kontaktbeschränkung regulierten Interaktionen zwischen Batwa und Baoto heute gestalten.
Forschungsstrategie
Wir betreiben sowohl Archivarbeit und Quellenanalyse historischer Bild- und Textdokumente, als auch ethnografische Forschung in der Demokratischen Republik Kongo. Die ethnografische Forschung ist kontrastiv angelegt, indem sie städtische Milieus in Kinshasa mit ländlichen in der Provinz Mai-Ndombe vergleicht.
